Rassekatzen, ein teures Hobby, mit viel Gewinn für die Züchter !?

oder

Warum kosten Rassekatzen soviel Geld ???

 

Vielen Menschen geht es wohl so:

 

Man möchte sich ein Haustier zulegen, und entscheidet sich nach langem hin und her für eine Rassekatze.

Die Grundentscheidung ist nun getroffen jetzt kommt das große Rätselraten:

Welche Katze hätten Sie denn gern ???

 

Es gibt Perser, Main Coon, OKH, Norwegische Waldkatzen, Britisch Kurzhaar Katzen, Exoten, Abessinier, Bengalen usw.

 Man  fängt an,  in Katzenzeitschriften oder auf einer Ausstellung oder sogar durch  Fachliteratur Informationen zu sammeln, und stößt  auf eine recht erstaunliche und auch oft schockierende Grundinformation:

RASSEKATZEN SIND GANZ SCHÖN TEUER

Dieses kann oft zu Enttäuschung und Unverständnis führen. Man möchte doch eigentlich nur einen kleinen Freund zum lieb haben, und an Zucht denkt man ja wirklich nicht. Aber der Preis für ein sog. Liebhabertier beträgt trotzdem einige HUNDERT EURO.

 

Oft neigt man nun zu der Annahme, das es sich bei einer Vielzahl von diesen Züchtern um Menschen handelt, die mit diesen lieben kleinen Tieren unheimlichen Profit machen wollen.

 

Nach langem suchen stößt man dann auf die anderen Züchter, die ihre kleinen Kitten für viel weniger Geld verkaufen. Oft haben diese Kitten zwar keinen Stammbaum, aber dafür sind sie ja auch billiger, ODER ?!

 

Ich möchte nun versuchen Ihnen die Preiszusammensetzung bei Rassekatzen zu erläutern:

 

Als seriöser Katzenzüchter

muss man  einem Verband/ Verein angehören.

In diesem Verein gelten durch eine Satzung verpflichtende Regeln. Ein Züchter muss nachweisen, wie er seine Katzen hält:  Unter anderem sind ausreichendes  Raumangebot, Futter- und Wasserplätze, optimale Anzahl und Zustand der Katzentoiletten und  ausreichende Beschäftigung  für die Vierbeiner zu gewährleisten.

Ebenso wird das Mindestalter für die Erstdeckung einer Katze (meistens 12 Monate) und die Häufigkeit  der zugelassenen Deckungen vorgeschrieben.

Des weiteren gibt es Vorgaben über Impfungen: Es ist geregelt, welche Impfungen und in welchem Zeitabstand, ein Tier haben muss.

Viele dieser Regeln sind eng am Tierschutzgesetz ausgerichtet.

 

Dieses sind alles Rahmenbedingungen, aber für einen Züchter gibt es noch eine Menge mehr zu berücksichtigen:

Mit Zuchtkatzen geht man öfter zum Tierarzt, um sicherzustellen, dass der Gesundheitszustand immer optimal ist.

Bei der Planung für eine anstehende Verpaarung, muss man immer Berücksichtigen, das die Partner genetisch, standardentsprechend und auch charakterlich harmonieren.

DIESES LIEGT IN DER VERANTWORTUNG DES ZÜCHTERS, um zu gewährleisten, dass genetisch und charakterlich einwandfreie Kitten geboren und weitergegeben werden.

 

Wenn man die beiden optimalen Partner ausgewählt hat, so müssen oft weite Fahrtwege zurückgelegt werden, und es heißt nicht, das die vom Züchter ausgewählten Partner sich wohlgesonnen sind.

War der Deckvorgang erfolgreich, kann die Katze nach 3 bis 7 Tagen wieder abgeholt werden (bei uns war die bis jetzt weiteste Entfernung 480 Km: also 2mal hin, 2mal zurück = 1920 Km !!!!!!).

Beim  Katerbesitzer wird dann die sog. Decktaxe/ Deckgebühr fällig. Diese bewegt sich zwischen 300,00 und 500,00 Euro.

Ein paar Tage nach dem Katerbesuch geht man mit der Katze  zum  Tierarzt, um den Gesundheitszustand noch mal checken zu lassen.

 

Dann vergehen die 63 bis 65 Tage Tragezeit der Katze. Hierbei wird die Katze oft zusätzlich zu dem hochwertigem Futter ( z.B. Royal Canin, Hills) auch noch mit speziellen energieliefernden Leckerlis und homopatischen Mittel versorgt, um zu gewährleisten, dass die Kitten die bestmögliche Versorgung erhalten, und um den Stress für das Muttertier so gering wie möglich zu halten.

Es  kommt die Geburt, die hoffentlich ohne Kaiserschnitt oder sonstige Komplikationen abläuft.

Haben die Kitten die ersten 14 Lebenstage gut hinter sich gebracht, kommen sie langsam aus ihrer Wurfkiste, und fangen an zu fressen. Hier wird nun erst mal bis zu 4 mal am Tag Brei gereicht, den auch die Mutterkatzen zu schätzen wissen.

Die Kitten wachsen bei seriösen Züchtern mit Familienanschluss auf. Es gibt wirklich nichts schöneres als die kleinen Wuschelbären im Haus herumtoben zu sehen, und wenn sie kopfüber in den Vorhängen hängen haben wir schon manche Träne gelacht.

 

Je älter die Babys werden, um so größer ist Ihr Appetit. Nun wird auch Nassfutter gereicht. Hierbei werden oft hochwertige Sorten wie z.B. Animonda  bevorzugt. Diese kosten pro Dose ca. 0,62 Euro. Die Babys benötigen am Tag zwischen 3 und 10 Dosen a 100g, je nach Wurfstärke und Alter der Kitten. Des weiteren bekommen sie spezielles Babytrockenfutter (zuerst z.B. Babycat ( Royal Canin ) und später Kittenfutter (z.B. Royal Canin). Von diesem Trockenfutter werden in den 12 Wochen bis zu 6 Säcke a 4 kg verbraucht (wieder je nach Wurfstärke und Alter). Preis pro Sack 22,00 Euro.

Hinzu kommen noch erhebliche Kosten für Leckerlis, Spielzeug u.s.w.

In der siebten Lebenswoche geht es zum ersten Gesundheitscheck zum Tierarzt und zur ersten Impfung. Für jedes Kitten müssen hier 25,00 Euro eingerechnet werden.

 

Zu diesem Zeitpunkt kommen auch  die Stammbäume der Kitten an, die von dem entsprechenden Verein erstellt wurden. Diese sind mit Kosten von je 15,00 Euro pro Kitten zu berücksichtigen.

 

Bei planmäßigem Verlauf, werden die kleinen Würmer mit 11 Wochen das zweitemal geimpft. Unsere Kitten werden zu diesem Zeitpunkt auch gechipt. Dieses sind wieder Gesamtkosten von rund 50,00 Euro pro Tier.

Der Wurf wird unmittelbar vor der Abgabe nochmals dem Tierarzt vorgestellt, und dieser füllt eine WURFABNAHME aus, die zum Verein geschickt werden muss. Hieraus geht hervor, in was für einem Zustand sich Mutter und Kitten befinden.

 

Nun  rückt der für uns schwierige Tag der Abgabe näher. Die neuen Katzeneltern waren zwischenzeitlich mehrmals bei uns zu Hause, um sich einen Eindruck über die Kinderstube der Kitten und den Haushalt selbst zu machen.

Am Abgabetag bringen wir unsere lieben Kleinen persönlich zu den neuen Besitzern. Dieses ist für uns sehr wichtig, denn wir wollen wissen, wo die Kleinen ihr neues zu Hause bekommen. Sollte es uns nicht zusagen, nehmen wir die Katze wieder mit. Auch hier sind teilweise erhebliche Strecken zurückzulegen (Ein Kitten von uns lebt in Magdeburg !!!).

Dieses alles sind schon erhebliche Faktoren, aber hierbei wird davon ausgegangen, das alles „glatt“ läuft, und keine zusätzlichen Arztbesuche oder ähnliches von Nöten sind. Wir hatten bei einem Wurf mal einen Kaiserschnitt. Gott sei dank sind Mutterkatze und Kitten wohlbehalten aus diesem Eingriff heraus gekommen. Aber es waren Kosten von rund 600 Euro.

 

Ich hoffe das Sie nun verstehen, das „Züchter“, die Kitten für 200- 300 Euro verkaufen, unmöglich solche Ausgaben gehabt haben können. Oft ist es so, dass es meiner Meinung nach nur nach dem Grundsatz laufen kann:

Wer billig produziert, kann auch billig verkaufen

 

Diese Billigproduktion geht aber oft auf die Gesundheit der Tiere. Die  Katzen werfen viel zu früh, und werden als Gebärmaschinen missbraucht. Hierbei ist der Anteil der totgeborenen Kitten und derer die frühzeitig in den ersten 3 Wochen versterben sehr hoch. Oft wachsen diese Tiere nicht mit Familieanschluss auf. Die Tiere werden  in zwingerähnlichen Anlagen gehalten, und die Anzahl der Tiere liegt bei über 20 !!!!.

 

Leider ist es auch so, das solche Kitten oft Mangelerscheinungen haben, die erst später ersichtlich werden. Dieses hat zu Folge, das die Tiere  sehr oft zum Tierarzt müssen, und nicht selten ihr ganzes Leben Medikamente bekommen.

 

Wir alle sollten bedenken, dass die Liebe zu den Katzen und zu diesem schönem Hobby seinen begründeten Stellenwert in unserem Leben hat und das man zu einem Tier oft eine sehr enge emotionale Bindungen  knüpfen kann. Diese Liebe sollte uns alle in die Pflicht nehmen, damit auch die Tiere ein würdiges Leben führen können.

 

 

Mit freundlichem Katzengruß

Cornelius Thürlings

 

 

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